Die Zukunft ist jetzt!

Einen Roboter programmieren, Mode und Hightech verbinden, die Mobilität der Zukunft planen – all das sind keine Visionen, sondern reale Berufsfelder, für die es junge Menschen braucht, die sich für die Gestaltung der Zukunft begeistern können.

Die Unsicherheit bei vielen Schülern ist groß. Was soll ich mal werden? Wie kann ich das gesammelte Schulwissen in einen Beruf einbringen? Diese Fragen stellen sich wohl die meisten Schüler irgendwann einmal während ihrer Schullaufbahn. Ist es da nicht praktisch, wenn die Antworten auf diese Fragen im wahrsten Sinne des Wortes auf einen zu rollen? Und zwar in Form eines echten Kolosses, der Erfahrung, Orientierung und Innovation in sich trägt. Ein Truck, der in seinem Inneren die Zukunft bereithält – man muss nur hineingehen und sie ausprobieren!

Das taten etliche Fuldaer Schulklassen, die erste aber war die Klasse 9 d der Freiherr-vom-Stein Schule. Gemeinsam mit ihrem Lehrer Herrn Bert Thieme besuchten die 24 Schüler den TOUCH TOMORROW TRUCK auf seiner Stippvisite in Fulda (Hochschulcampus).

Der Fokus des Angebots liegt auf den MINT – Fächern: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. „Waisenkinder im täglichen Schulalltag“, findet Mathematik -und Physiklehrer Bert Thieme. „Naturwissenschaften müssen gelebt werden, nicht nur unterrichtet“, so Thieme. „Den Schülern muss klar werden, wie viele verschiedene Felder es gibt und wo Fachkräfte gebraucht werden. Die Schüler sind 15 Jahre alt, ich 50. Das sind 35 Jahre Unterschied. Und ich bin gespannt, wie die Welt in 35 Jahren aussieht, die jungen Leute, müssen die Welt da hinkriegen und das schaffen sie auch.“

Die Voraussetzungen sind im TOUCH TOMORROW TRUCK dafür geschaffen. Durch das interaktive Mitmachen und die audiovisuellen Erlebniswelten ist man ganz nah dran. Kurze filmische Statements von Vertreterinnen und Vertretern der Berufe zeigen die beruflichen Perspektiven, außerdem erhält jeder Schüler sein eigenes Speichermedium, den sogenannten „IKO“. Dieser 20seitige Würfel wird an jeder Station aufgelegt, und speichert so die besonderen Interessen jedes einzelnen Schülers. Zu Hause kann dieser mit dem Smart Phone verbunden werden und der Schüler bleibt so in Kontakt mit dem TOUCH TOMORROW TRUCK – ein zusätzliches Angebot, um vielleicht auch mit den Eltern gemeinsam die gesammelten Informationen auszuwerten und zu schauen: Wie kann ich meine Fertigkeiten einsetzen?

In Kleingruppen werden die Schüler durch den Truck geführt. Immer an ihrer Seite: einer der insgesamt 4 MINT-Coaches. Das sind promovierte und pädagogisch erfahrene Naturwissenschaftler. Sie vermitteln die Inhalte im Truck und zeigen, wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik in der Berufswelt einsetzbar sind. Dieser Kontakt auf Augenhöhe macht es den Schülern leicht, sich auf diese Themengebiete einzulassen. Kaputtmachen kann man übrigens nichts, versichern sie immer wieder. Ausprobieren ist unbedingt erwünscht. Und so baut man mit Hilfe einer „smarten“ Brille einen Motor, man testet ein Transportsystem, das bis zu 1200 km/h erreichen soll, selbstverständlich en miniature. Eine Kugel mit seinen eigenen Gedanken steuern? Auch das ist möglich. Große Beamer Touchscreens, Videos, eine intelligente Datenbrille. Die Schüler werden an jeder Station digital angeleitet, auf dem Whiteboard können die Schüler zusätzlich ein Planspiel machen und so eigene, vielleicht sogar bisher unerkannte Präferenzen, leicht erkennen.
Schülerin Sophia Koch zum Beispiel sagt von sich selbst, dass sie kein „Mathe-Ass“ sei, aber hier habe sie wirklich anschaulich erleben können, wie Mathe eingesetzt wird, zum Beispiel bei der Station Gedankensteuerung. Sie interessiert sich für Psychologie und hat Zusammenhänge und mathematischen Nutzen durchaus erkannt. Klassenkamerad Leon glaubt in Richtung Maschinenbau zu tendieren. mit dem Roboter „NAO“ hat er die Zukunftsvision „Mensch und Maschine“ schon heute erlebt und die Frage ansatzweise geklärt, wie Menschen und Maschinen zusammenleben und arbeiten werden.

90 Minuten dauert die Führung, fast schon zu kurz um alles auszuprobieren, es ist ein Eintauchen in eine bisher fremde Erlebniswelt. Doch wenn man hinausgeht merkt man schnell: So weit ist die Zukunft gar nicht mehr entfernt.

INFO

Es sind neue Wege, die die Dr. Hans-Riegel-Stiftung seit 2018 geht. Der ehemalige HARIBO-Mitinhaber hatte das Ziel, junge Menschen bei der Gestaltung ihrer beruflichen Zukunft zu fördern und nachhaltig zu begleiten. Im Mai 2018 wurde dieser Wunsch sehr konkret, denn es war der Startschuss für den TOUCH TOMORROW TRUCK. Ein LKW, der über die normalen Maße hinausgeht und auf 105 qm im Inneren seinen Besuchern zeigt, welche Chancen Zukunftstechnologien für junge Menschen haben. In Kooperation zwischen Ottokar Schwerd (Teamleiter Berufsorientierung bei der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda), Matthias Hansen (Ansprechperson für Berufs- und Studienorientierung für Gymnasien am Staatlichen Schulamt) und Emilia Mikkonen (Hochschule Fulda) konnte dieses Angebot im OloV-Netzwerk Fulda realisiert werden. OloV steht für Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule-Beruf. Acht interaktive Stationen zeigen Bildungs- und Berufswege und fordern die Schüler zum Mitmachen auf. Bislang konnten sich etwa 7500 Schüler deutschlandweit so schon ausprobieren. Dieser Truck hat nun auch Station in Fulda gemacht und präsentierte sich 5 Tage auf dem Campus der Hochschule.