Unter dem Titel „Gleiches Ziel, vielfältige Ansätze – Strategien und regionale Herausforderungen am Übergang Schule – Beruf“ lud die Hessenweite OloV-Koordination im Namen des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen und des Hessischen Kultusministeriums am 22.10.2019 zu einem überregionalen Austausch nach Limburg ein. Der Landkreis Fulda präsentierte eine gemeinsame Strategieentwicklung im kommunalen Ausbildungsmarkt.

Mit rund 230 Teilnehmenden widmete sich der Fachtag den aktuellen Herausforderungen im Übergangsmanagement von Schule zu Beruf. Was bewegt Jugendliche heute? Und wie gehen die Akteure aus verschiedenen Bundesländern und Regionen mit den Aufgaben der Gegenwart und Zukunft um? Auf diese und weitere Fragen gaben verschiedene Fachvorträge Antworten und gewährten Einblicke in die Vielfalt möglicher Gestaltungsansätze. Für den Landkreis Fulda stellten Ulrich Nesemann, Fachdienstleiter Kommunaler Arbeitsmarkt und Matthias Feuerstein, Bildungsmanager, das Vorhaben einer gemeinsamen regionalen Strategieentwicklung im kommunalen Ausbildungsmarkt vor. Datenbasiert möchte der Landkreis Fulda, der sich traditionell als Ausbildungsregion versteht, gemeinsam mit weiteren Akteuren das aktuelle Problem des Mangels an Auszubildenden in der Region mildern. Hierzu soll die Anziehungskraft des Ausbildungsstandorts, das Marketing und die Zusammenarbeit der regionalen Netzwerkakteure gestärkt werden. „Der Fachtag hat uns darin bestätigt mit unserem Engagement rund um das Thema Ausbildung auf dem richtigen Weg zu sein. Es war schön zu sehen, dass andere Regionen uns hier als Beispiel guter Praxis wahrnehmen.“, so Ulrich Nesemann in seinem Resümee.

Vernetzen, diskutieren, voneinander profitieren, gemeinsam fördern – das sind Schlagwörter, die die Arbeitsgemeinschaft (AG) Jugendberufshilfe sehr treffend beschreiben. Diese Schwerpunkte hatte sich die AG schon mit ihrer Gründung 1999 gesetzt. Nun feiern 23 Mitglieder (s. Infokasten) Jubiläum und haben dies zum Anlass genommen, zurückzuschauen und einen Blick in die Zukunft zu wagen.

Seit 20 Jahren treffen sich die Mitglieder im regelmäßigen Turnus vier Mal im Jahr. Grund genug, dieses Jubiläum auch auf die Tagesordnung des aktuellen AG-Treffens zu setzen. Sachgebietsleiterin Jugend und Beruf beim Landkreis Fulda Ilona Löwer führte durch die Sitzung, die diesmal in der Agentur für Arbeit in Fulda stattfand. Gemeinsam mit Christine Hedtke von der Fachstelle Übergang Schule-Beruf der Stadt Fulda gab sie einen kurzen Überblick über die Anfänge der AG, die sich zu Beginn noch als eher loser Arbeitskreis verstand, deren Mitglieder sich um besonders benachteiligte Jugendliche kümmerten. Daraus entwickelte sich stetig eine feste Partnerschaft, deren Anspruch immer noch der Gleiche ist – auch, wenn sich die Bedingungen geändert haben.

Vor rund 20 Jahren suchten junge Leute händeringend nach Lehrstellen, die rar gesät waren. Heute stellt sich die Situation komplett entgegengesetzt dar: Ausbildungsplätze und die Möglichkeiten der beruflichen Förderung sind in großem Maße vorhanden, es finden sich aber immer weniger Interessenten, erläutert Hedtke. Zum Einen besuchen Jugendliche heute viel länger die Schule, zum Anderen zeigen sich verstärkt mangelnde Sozialkompetenz sowie psychische Beeinträchtigungen. Dies alles sind Gründe, warum Lehrstellen unbesetzt bleiben oder Auszubildende ihre Lehre frühzeitig abbrechen. Dem entgegenzuwirken sei eine wichtige Aufgabe, erklärten auch die Teilnehmenden der Sitzung. Durch systematische Zusammenarbeit und Begleitung sollen insbesondere benachteiligte Jugendliche (z. B. mit Fluchthintergrund oder Behinderung) auf dem Weg in den Beruf und in ein selbstbestimmtes Leben begleitet werden. Sie alle können und sollen ihren Platz im Beruf finden.
Diesen Auftrag wollen die Mitglieder weiter erfüllen. Denn die Herausforderungen bleiben groß, war sich die Runde einig. Christine Hedtke appellierte an die Arbeitsgemeinschaft, die gute und partnerschaftliche Zusammenarbeit weiter auszubauen und zu stärken. Denn die langjährige Erfahrung zeige deutlich: Im Verbund gelingen auch große Aufgaben.

Weitere Informationen zur  AG Jugendberufshilfe finden Sie hier www.olov-fulda.de/angebote/ag-jugendberufshilfe/

Mit einem Post auf Instagram hat die Region Fulda ihre Nachwuchswerbekampagne Azubi-Region Fulda gestartet. 21 Partnerunternehmen wollen gemeinsamen mit der Regionalen Wirtschaftsförderung, dem Landkreis Fulda, der Industrie- und Handelskammer Fulda und der Kreishandwerkerschaft Fulda künftig überregional insbesondere dort um Auszubildende werben, wo noch ein Überhang an Bewerbern vorliegt.

 

Partnerunternehmen und Organisatoren der Nachwuchskampagne Azubi-Region Fulda vereint zum Gruppenfoto. Foto: Die Bildstürmer – Salih Usta.

Als lebendiges Beispiel für Innovation bezeichnete Landrat Bernd Woide den 28jährigen Azubi-Manager Julian Bolz, der seit 1. September 2019 im Haus der Region Fulda GmbH die Nachwuchskampagne betreut. Der Landrat brach eine Lanze für die duale Ausbildung und appellierte an die Eltern, ihrem Nachwuchs auch Alternativen zum Studium aufzuzeigen. „Natürlich ist es in Ordnung, wenn jemand studiert. Es ist aber genauso gut, wenn er eine Ausbildung absolviert. Das muss in die Köpfe rein.“ In die gleiche Richtung zielen die Anstrengungen des Azubi-Kampus Pings, dem ersten seiner Art in Deutschland. Kolping-Geschäftsführer Steffen Kempa stellte im Foyer von Pings die Philosophie des Azubi-Wohnheims mit sozialpädagogischer Betreuung, gemeinsamen Freizeitaktivitäten und den sogenannten „Survival Skills“ vor. Bei letzterem lernen die Jugendlichen für den Alltag, vom Wäschewaschen bis zur Lohnsteuererklärung. „Mit dem Azubi-Kampus heben wir das Image der Ausbildung auf das nächst höhere Level.“
Wie angespannt die Lehrlingssituation in der Region Fulda ist zeigte Ulrich Nesemann vom Landkreis Fulda auf: „Selbst wenn alle Schulabgänger eine duale Ausbildung beginnen, können wir nicht alle Ausbildungsplätze besetzen“. Deshalb soll nun dort über Social-Media geworben werden, wo noch ein Überhang an Bewerbern besteht. Und diese Regionen gibt es tatsächlich noch, in Hessen sind das zum Beispiel Offenbach oder Gießen und in Deutschland zahlreiche Landkreise in Nord-Rhein-Westfalen, zwei Landkreise in Niedersachsen sowie die Bundeshauptstadt Berlin. Die Kampagne spricht diese Jugendlichen über Social-Media, vorwiegend Instagram und Youtube über Videos, Anzeigen und Kurzclips an. Hier lassen sich die Zielgruppen sehr gut auswählen.
Bleibt die Frage, mit welcher Botschaft sollen die Jugendlichen überzeugt werden sollen? Die Region Fulda setzt hier nach den Worten von Julian Bolz auf die Strategie, ihre Trümpfe mit Analogien zur Raumfahrt zu transportieren. Geworben wird mit einem Vierklang aus Homebase – dem Ausbildungs-Kampus Pings, Community – hier wird die FD-Azubi-App, die den Auszubildenden Vergünstigungen und einen VIP-Status bietet, einbezogen, Karriere-Kosmos – hier punkten die hervorragenden Ausbildungsunternehmen mit ihren Lehrstellen und dem Azubi-Navigator – also dem Azubi-Manager als Kümmerer. Diese Botschaft wird über Videoclips und Anzeigen auf Youtube und Instagram verbreitet. Die Videos selbst enthalten immer ein Kurzportrait eines Ausbildungsunternehmens aus der Region und sind eingebettet in einen gestalterischen Kampagnenrahmen, der auf die zentrale Internetseite www.azubi.region-fulda.de verweist.

Interessiert sich ein Jugendlicher erst einmal für die Region Fulda bietet die Kampagne ein besonderes Schmanckerl. Julian Bolz organisiert einen Schnupperaufenthalt mit der Möglichkeit Partnerbetriebe zu besuchen. „Wir nennen das Trydays.“ Die ersten Trydays werden in den Osterferien stattfinden. Begleitet wird die Kampagne von einem fachlichen Lenkungsausschuss, dem neben Ulrich Nesemann, Jasmin-Isabell Polny (Klinikum Fulda), Bernhard Hahner (Hahner Technik und Kreishandwerkerschaft Fulda), Steffen Kempa (Kolpingwerk Fulda), Melanie Schäfer (IHK Fulda) sowie Christian Vey und Christoph Burkard von der Region Fulda GmbH angehören.

Christoph Burkard, Geschäftsführer der Region Fulda GmbH, lobte die Nachwuchskampagne als erfolgreiches Public-Private-Partnership. Denn während die Gesellschafter der Region Fulda GmbH, Stadt und Landkreis Fulda und die IHK-Fulda für Personal- und Organisationskosten aufkommen, wird das über Partnerpakete von den beteiligten Unternehmen eingebrachte Kapital komplett in die Werbung investiert. 21 Partnerunternehmen haben Pakete im Wert von 500 bis 5000 Euro erworben und so aktuell 64.500 Euro eingebracht. „Die Pakete selbst gelten jeweils für ein Jahr. Die Kampagne ist auf drei Jahre angelegt. Weitere Partnerunternehmen sind herzlich willkommen.“
Weitere Informationen: www.azubi.region-fulda.de