OloV ist ein Wunschkind, das in Stadt und Landkreis Fulda schnell Laufen gelernt hat
von Dorit Heydenreich, Poppenhausen

„Nachfahre des Urahns“ lautet die Bedeutung des skandinavischen Vornamens Olov. Ob sich das Hessische Wirtschaftsministerium dessen bewusst war, als es 2005 einem Projekt den Namen OloV gab, ist leider nicht überliefert.

Ob Zufall oder nicht – OloV ist in Hessen auf jeden Fall der Nachfahre diverser regionaler Initiativen zur Berufs- und Studienorientierung, die zumeist alle einen eigenen Namen hatten. Das von der Landespolitik auf den Weg gebrachte Wunschkind, das mit ganzem Namen „Optimierung lokaler Vermittlungsarbeit im Übergang Schule-Beruf“ heißt, hat es geschafft, dass Einzelkämpfer auf dem Weg zu Netzwerkern sind, dass sich verschiedene Institutionen und Professionen auf Augenhöhe begegnen können und dass gemeinsame Ziele nicht nur definiert, sondern auch umgesetzt werden.

In der Region Fulda sitzen Stadt und Landkreis, Arbeitsagentur, Industrie- und Handelskammer, Kreishandwerkerschaft, AG Jugendberufshilfe, Arbeitgeberverband Osthessen sowie der Arbeitskreis Schule/Wirtschaft gemeinsam im OloV-Boot. Es handelt sich um eine Konstellation, die man von der „Ausbildungsmarktkonferenz“ übernommen hat. Dort wurden und werden noch immer auf höchster kommunalpolitischer Ebene die Entwicklungen des Ausbildungsmarkts verfolgt, über entsprechende Weichenstellungen diskutiert und Entscheidungen getroffen.

„Damals“, erinnert sich Ulrich Nesemann, der Fachdienstleiter beim Kreisjobcenter und OloV-Regionalkoordinator ist, „hatten wir mit 8 bis 9 Prozent noch eine nennenswerte Jugendarbeitslosenquote; heute liegt sie bei 3,4 Prozent. Schon seinerzeit wurde überlegt, was wir noch tun können, außer den Jugendlichen Ausbildungsplätze anzubieten.“ Über die Fachstelle und die AG Jugendberufshilfe hatten die involvierten Akteure bereits Erfahrungen in der Begleitung benachteiligter Jugendlicher gesammelt.

„Mit Start des OloV-Projekts ging es darum, einen guten Übergang von der Schule in Ausbildung zu gestalten – und zwar explizit für Schülerinnen und Schüler in Förder- und Hauptschulen“, erläutert Christiane Herchenhein, OloV-Regionalkoordinatorin bei der Stadt Fulda. „Später kamen die Realschulen hinzu, und derzeit sind wir dabei, die Gymnasien einzubinden. Wir hoffen, dass es irgendwann so weit sein wird, dass auch die Berufsschulen dabei sind.“

Da OloV inzwischen nicht mehr nur ein Projekt des Hessischen Paktes für Ausbildung ist, sondern eine Strategie, die Strukturen für alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen schaffen will, die noch die Schule besuchen, ihren Schulabschluss bereits hinter sich haben oder im Übergangssystem betreut werden, entscheiden die Hauptverantwortlichen anhand der regionalen Bedarfslage über zielführende Aktivitäten und Strukturen. „Parallelstrukturen und Parallelmaßnahmen gilt es zu vermeiden“, betont Andreas Stengel, Ansprechperson für Berufs- und Studienorientierung am Staatlichen Schulamt Fulda.

Da auch das Hessische Kultusministerium Beschlüsse zur Berufs- und Studienorientierung gefasst hat, die nun auch sukzessive in den Curricula der Schulen verankert werden, fördert das Ministerium den Prozess dadurch, dass es Lehrpersonal für diese Aufgaben einplant und finanziert. „Allein im Landkreis Fulda sind es umgerechnet zwei Lehrerstellen“, weiß Matthias Hansen, der am Staatlichen Schulamt OloV-Ansprechperson für Gymnasien ist. Geld für OloV stellen darüber hinaus das Hessische Wirtschaftsministerium und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds zur Verfügung.

Finanzielle Mittel sowie Zeit und Energie der OloV-Steuerungsgruppe fließen überwiegend in Maßnahmen, die der Netzwerkpflege, der Weiterentwicklung von Berufsorientierungsmaßnahmen sowie der Öffentlichkeitsarbeit – und damit am Ende der jungen Zielgruppe – dienlich sind. Auch wenn es keine originären OloV-Veranstaltungen für Schülerinnen und Schüler gibt – da OloV quasi der Markenname eines „Gesamtkunstwerks“ ist -, so begegnen sich doch beispielsweise beim jährlichen Netzwerktreffen immer wieder Lehrkräfte verschiedener Schulformen, ArbeitsCoaches, Berufsberater, Personalverantwortliche sowie Fachkräfte im Übergang Schule-Beruf.

Durch Impulsvorträge zu aktuell relevanten Themen sowie fachlichen Austausch in Kleingruppen oder im Plenum sorgen die Organisatoren der Netzwerktreffen dafür, dass die Rädchen der Berufsorientierung mit immer weniger Reibungsverlusten ineinander greifen. Darüber hinaus finden regelmäßige Treffen der Regionalkoordinatoren sowie der Steuerungsgruppe statt, damit die regionale OloV-Strategie Stück für Stück weiter mit Leben gefüllt werden kann.

Erst im März dieses Jahres wurde beispielsweise ein Strategiepapier unterzeichnet, das die weitere Optimierung der Vermittlungsprozesse im Rahmen der Berufsorientierung unterstützen soll. So wurden darin die OloV-Ziele für die nächsten drei Jahre festgelegt und verbindliche Standards definiert. Für deren Umsetzung gibt es unter anderem auch mehrere Arbeitsgruppen, die sich verschiedenen Schwerpunktthemen wie dem Thema Flüchtlinge, der Website „Berufswahl aktiv“ (auf der sich mehr als 200 Angebote der Berufsorientierung finden) oder dem Kompetenzfeststellungsverfahren widmen.

Seit OloV, so sind die Olov-Regionalkoordinatoren überzeugt, ziehen Bildung, Wirtschaft und Politik in der Region Fulda noch zielstrebiger an einem Strang. „Jeder Partner weiß, was er von dem Netzwerk hat“, sind sich Nesemann, Herchenhein, Stengel und Hansen einig, „weil hier jeder die Möglichkeit hat, sich einzubringen und seine Einrichtung voran zu bringen.“

Text und Bild: Dorit Heydenreich

Sind für OloV aktiv: Die Regionalkoordinatoren Christiane Herchenhein (2.v.li.) und Ulrich Nesemann (2.v.re.) sowie die Ansprechpersonen am Staatlichen Schulamt Fulda Matthias Hansen (li.) und Andreas Stengel (re.)