Vom schnellen Kennenlernen, sicheren Auftreten und der Kraft der Überzeugung

Speed Dating – damit verbindet man das schnelle und vor allem unkomplizierte Kennenlernen, eine lockere Atmosphäre, vor allem aber wenig Zeit, denn es geht ums Wesentliche, nämlich ob es passt oder nicht.

Beim Speed Dating der Jahrgangstsufe 11 der Winfriedschule ging es allerdings nicht um das andere Geschlecht, sondern um die richtige Berufswahl. In der Aula der Schule hatte jeder der 80 Schüler eine Verabredung mit einem der teilnehmenden Unternehmen und dabei ging es um ganz entscheidende Fragen: Welches Unternehmen passt zu mir? Wie kann ich potenzielle Arbeitgeber von mir überzeugen? Und vor allem, kann ich innerhalb der zehn Minuten Zeit, die mir bleiben, punkten? 16 Unternehmen hatten sich angemeldet und sich auf die Bewerbungen und vor allem auf das persönliche Kennenlernen gefreut. Ob Ausbildung oder duales Studium, die Schüler konnten sich eines der Unternehmen schon im Vorfeld aussuchen und verfassten innerhalb ihres Berufsorientierungs-Unterrichts eine schriftliche Bewerbung an den Betrieb ihrer Wahl. Beim anschließendem Speed- Dating ging es nun darum, ein Vorstellungsgespräch zu simulieren. Zehn Minuten Zeit hatten die Oberstufenschüler, um von sich zu überzeugen, fünf Minuten gehörten den Unternehmen, die den potenziellen Arbeitnehmern Feedback gaben, nicht geschönt, sondern ganz real.

Als „sehr aufregend am Anfang“, hat dieses Gespräch Luisa empfunden. Und die Oberstufenschülerin gibt zu: „Als ich erst mal saß, war es ok, und dann lief es auch sehr gut, es war nicht streng, sondern eine ganz offene Ebene.“ Zusätzlich gab es wichtige Tipps. „Ich hatte die Unterschrift auf meiner Bewerbung vergessen, das passiert mir jetzt bestimmt nicht mehr“.

Als „eine super Erfahrung“ hat auch Julian das Gespräch bewertet, er hat versucht immer „zu lächeln, freundlich zu sein“, denn das sei bestimmt wichtig, wenn es irgendwann mal darum geht, Kunden zu gewinnen.
Dieses Speed Dating ist seit sechs Jahren fester Bestandteil des Berufs-Orientierungs-Unterrichts, erklärt Matthias Hansen, der verantwortliche Lehrer. Er zeigte sich von der guten Vorbereitung seiner Schüler begeistert, aber auch von der Bereitschaft der 16 hiesigen Unternehmen, 90 Minuten lang, die jungen Leute zu empfangen und sie genau unter die Lupe zu nehmen. Und die Unternehmerseite? Auch die war von dem persönlichen Kennenlernen positiv beeindruckt. Eine sehr gute Vorbereitung und vor allem ein freundliches und interessiertes Auftreten attestierte sie den Schülern. Doch ist so ein rasantes Kennenlernen auch wirklich aussagekräftig? Ja, erklärten die befragten Unternehmen einstimmig. Gerade weil die Zeit so kurz sei, konzentriere man sich auf das Wesentliche, außerdem stimme es nach wie vor, der erste Eindruck ist entscheidend, und den habe man nach zehn Minuten durchaus gewonnen. In Verbindung mit der schriftlichen Bewerbung habe sich da ein sehr gutes Bild ergeben. Und so mancher gab zu, dass er sich eine Zusammenarbeit in Zukunft durchaus vorstellen kann.

Noch zwei Jahre müssen die Schüler bis zum Abitur warten, spätestens dann beginnt die heiße Phase des Bewerbens – in der gewohnten Umgebung ihrer Schule konnten sie erste wichtige Erfahrungen auf diesem Gebiet sammeln. Vor allem aber konnten sie wichtige Kontakte knüpfen, und wer weiß, vielleicht nimmt der eine oder andere diese nach dem Abitur wieder auf. Für den regionalen Arbeitsmarkt wäre das sicherlich ein großer Gewinn.